Elisabeth Behling - die Stifterin der Friedrichsberger Dreifaltigkeitskirche,
der Armenhäuser in Schleswig und Satrup und des Altares in der Rendsburger Marienkirche

von Falk Ritter

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Veröffentlicht in: Beiträge zur Schleswiger Statdgeschichte 2020, S. 23 - 38.

Einleitung
Willy Philipsen (1974) Fritz Thomsen (1969), Deert Lafrenz (1985) und Marion Bejschowetz-Iserhoht (2001) hatten bereits ausführlich über Frau Elisabeth Behling (1595-1679) berichtet, doch über ihre Herkunft konnten sie keine Auskunft geben. 1)
Elisabeth Behling geb. Soliman 2), kam Anfang des 17. Jahrhunderts als mittelloses Fräulein nach Schleswig, wo sie sich den Lebensunterhalt im Friedrichsberg als Gesellschaftsdame verdiente.
Von ihr war bekannt, dass sie sich über den langen Fußweg zur Haddebyer Kirche beklagte und sich das Ziel setzte, im Friedrichsberg eine Kirche zu bauen, wenn sie denn die finanziellen Mittel dazu bekäme. 3)
Durch die Bemühungen von Frau Silke Lohmeyer aus Rendsburg wurde eine Leichenpredigt 4) gefunden, in der Frau Behlings verwandtschaftliche Verhältnisse teilweise niedergeschrieben sind.
Sie wurden ergänzt durch Akten des Landesarchivs.
5)

Abb.1: Friedrichsberger Kirche, 1651 erbaut

Daraus entwickelte der Verfasser einen Stammbaum:

Abb.2: Stammbaum von Elisabeth Behling geb. Soliman

Frau Behlings Herkunft
Elisabeth Soliman wurde am 7. Januar 1595 als Tochter des Seidenkramers, Gastgebers und Ratsherrn Ewoldt Soliman 6) in Güstrow 7) geboren.
Ihre Mutter war eine geborene Anna von Wedel.
Laut Wikipedia ist "Wedel, auch Wedell, der Name eines alten Uradelsgeschlechts aus Stormarn im heutigen Schleswig-Holstein, das im Zuge der Deutschen Ostsiedlung um 1240 nach Hinterpommern kam, wo es bis 1945 auf etlichen Gütern ansässig blieb.
Zweige gelangten später in die Uckermark und ab dem 17. Jahrhundert nach Ostfriesland, Dänemark und Norwegen." 8)

Abb.3: Elisabeth Behling in ihrem Epitaph

Elisabeth Soliman war verheiratet mit dem Leutnant Bonifacius Behling, dem sie 1625 in Rendsburg den Sohn Oswald Behling gebar.
Bonifacius fiel 1630 im 30jährigen Krieg.
Ihre uradelige Herkunft öffnete ihr in Schleswig-Holstein die Türen zu den höchsten Kreisen. 9)
Sie muss auch sehr gebildet gewesen sein und über höfische Umgangsformen verfügt haben, da sie in adeligen Häusern als Gesellschafterin tätig war, z. B. 1630 bis 1639 bei Generalmajor Hieronymus von Plessen in Bekhof / Itzehoe.
Für ihre Tätigkeit erhielt sie dort 1.800 Rtlr.

Ihr Sohn Oswald Behling 10)
Der Hofmathematiker und Bibliothekar von Herzog Friedrich III., Adam Olearius, gab 1649 zu Ehren von Elisabeth Behlings verstorbenem Sohn Oswald die sog. "Hirtengespräche" heraus, in denen Folgendes zu lesen ist:
"O Oswald / Edles Blut / dich kunte nicht vergnügen / Daß dein Stamm löblich war / du mustest dich bemühen / É Schön ist es / wenn man hat der Eltern Tafeln hangen (f) / Doch Thorheit / wenn man wil nur einig darmit prangen / Und bringen nichts darzu (g) / was ist ein Edelmann / Wann er kaum so viel weiß / als jener Baur dort kan?"
Oswald Behling genoss ähnlich wie seine Mutter Patronage in den höchsten Schleswig-Holsteiner Kreisen.
Der schon erwähnte Hieronymus von Plessen nahm ihn nach dem Tod des Vaters an Sohnes statt an und vermachte ihm ein Legat über 3.000 Reichstalern., das er 1640 bis 1643 gegen Plessens Erben gerichtlich verteidigen musste.
Oswald Behling betätigte sich als Dichter und beruflich brachte er es bis zum Capitaneus.
Er verstarb 1646 in Kassel an den Pocken und hinterließ weder Witwe noch Nachkommen, so dass sein Vermögen seiner Mutter zufiel.
Die Umschrift auf dem (von Olearius) gedruckten Epitaph 11) in den "Hirtengesprächen" lautet:
"NOBILIS OSWALDUS BELING HOLSATUS Regiae Mä. Gall. Capitaneus Natus 1625 denatus 1646".
Die Abkürzungen "Mä. Gall." gaben erst große Rätsel auf, konnten aber auf Vermittlung von Frau Lohmeyer von Herrn Eike Benesch 12) gelöst werden.
"Mä" entpuppt sich bei näherem Hinsehen als "Ma" mit einem winzigen "is" über dem "a" - also "majestatis" = seiner Majestät.
Die freie Übersetzung lautet:
"Der edle 13) Oswald Beling aus dem Reich Holstein, Kapitän 14) seiner Majestät Galeone, geboren 1625, gestorben 1646."
Somit könnte er im Schwedisch-Dänischen Krieg im Jahr 1644 an drei Seeschlachten teilgenommen haben und zwar "auf der Kolberger Heide", bei Fehmarn und im "Lister Tief".
Nachtrag am 16.1.2020 im Internet:
Bei der Seeschlacht "auf der Kolberger Heide", die die Dänen für sich entschieden, könnte Oswald Behling reiche Kaperbeute gemacht haben, die nach seinem Tode seiner Mutter zufiel.
Erstaunlich ist, dass man einem so jungen 19jährigen Offizier das Kommando über ein dreimastiges Kriegsschiff übertragen hat. 15)

Abb.4: Oswald Behling, Sohn von Elisabeth Behling

Ihr Bruder Johannes Soliman
Elisabeth Belings Bruder Johannes Soliman wurde vermutlich in Grabow geboren.
Das Datum ist unbekannt.
Er studierte 1611/12 in Rostock Theologie, war 1612 Pastor in Kladow, 1620 in Müsselmow und von 1621 bis 1624 Kaplan in Medelby bei Flensburg.
Von 1624 bis 1626 bekleidete er das Pastorenamt in Hütten (heute Kreis Rendsburg-Eckernförde).
1626 wurde er "wegen eines ãVerbrechens" abgesetzt. 16)
Weitere Nachforschungen ergaben, dass er in einen Erbstreit verwickelt war.
Der 1626 verstorbene Stallmeister Wilken von Manteuffel hatte seinem Diener Claus Rammen ein nicht unbeträchtliches Erbe vermacht, wobei ihm Johannes Soliman wohl als Notar diente. 17)
Dagegen prozessierte die Witwe Margrethe von Manteuffel.
Sie musste aber 1628 einen Rückzieher machen. 18)
Johannes Solimans letzte Spur fand sich seit 1632 in Behrendshagen, wo er 1635 wieder removiert werden sollte, aber 1636 noch im Amt war. 19)
Frau Behling hat Ihren Bruder Johannes nie erwähnt.
Vermutlich war ihr sein Prozess sehr peinlich.
Seine zweite Removierung in Berendshagen hat sie wohl nur noch darin bestärkt. Doch setzte sie ihm im Rendsburger Altar (s.u.) ein verschlüsseltes Denkmal.

Weitere Familienmitglieder
Johannes Solimans Enkel Johannes Wildenheim (1642-1696) folgte 1675 dem Prediger Michael Zwergius in der Friedrichsberger Gemeinde.
1684 wurde er, weil er ein fürstliches, gegen die Königliche Regierung gerichtetes Manifest verlesen hatte, entlassen und ging als Hauptpastor nach Apenrade.
1689 kehrte er nach Schleswig zurück. Er starb 1695.
Seine Leichenpredigt beschreibt auch Elisabeth Behlings verwandtschaftliche Verhältnisse.
Auch seine väterliche Linie weist Pastoren (in Kiel) auf. 20)
Elisabeth Behlings Schwester hatte einen Herrn Stammer geheiratet, dem sie zwei Töchter - Anna und Elisabeth - gebar. 21)
Anna heiratete 1661 Pastor Daniel Albinus in Satrup, ihre Schwester Elisabeth 1669 den Küster Christian Schnittker ebendort.
Elisabeth Behling hatte zudem eine Adoptivtochter, Agnet Elisabeth Jarrin, die 1677 Johannes Wildenheim ehelichte. 22)

Abb.5: Frauenstift in Schleswig, Husumer Baum 3 seit 1665, 1960 abgerissen und durch einen Gemeindehaus-Neubau ersetzt

Abb.6: Epitaph in Schleswig von 1667

Abb.7: Zweiter Behling-Altar in Rendsburger Marienkirche von 1649

Gedruckte Leichenpredigten
Gedruckte Leichenpredigten bestehen aus mehreren Teilen, von denen die wichtigsten die Personalia und der Lebenslauf sind.
Es wurde je eine Leichenpredigt von Johannes Wildenheim und Daniel Albinus gefunden, während von Elisabeth Behling keine überliefert ist.
Bei Albinus fehlen Personalia und Lebenslauf.
Bei Wildenheim liest man nichts über Anna Stammer und deren Eltern, dafür aber über Frau Behling, ihre Eltern und ihren Bruder.

Die Wappen der Elisabeth Behling
Das o.a. Bild zeigt einen Ausschnitt des Altares der Marienkirche in Rendsburg. 23)
Elisabeth Behling stiftete ihn 1649.
Zu sehen sind zwei verschiedene Wappen:
Dreimal "ein Löwe im Schild, Bügelhelm und Wilder Mann als Helmzier" und einmal "ein Adler im Schild mit Bügelhelm und Stern als Helmzier".
Das Löwenwappen ist das persönliche Wappen von Frau Behling.
Sie benutzte es auch im Siegel ihrer Stiftungsurkunde, zweimal im Epitaph und einmal im Sandsteinportal der Friedrichsberger Kirche.

Abb.8: Wappen im Altar der Rendsburger Marienkirche

Die drei Löwenwappen stehen für Elisabeth Behling, ihren Mann Bonifacius und ihren Sohn Oswald. 24)
Das Löwenwappen findet sich in Siebmachers Wappenbuch auf Seite 67 in der Abteilung "Geadelte" als "DIE FRECHTER".
Sogar die Bemalung ist in Rendsburg identisch mit den Vorgaben bei Siebmacher.
Die Kaufmannsfamilie "von Frechter" ist in Danzig von 1425 bis 1561 nachweisbar. 25)
Eine genealogische Verbindung zu Elisabeth Behling konnte jedoch nicht aufgedeckt werden.
Das Adlerwappen mit Stern ist nicht im Siebmacher verzeichnet.
Somit führt die heraldische Analyse in eine Sackgasse.

Religiöse Interpretation des Löwenwappens
Elisabeth Behling orientierte sich nicht an vorhandenen Wappen-Katalogen, sondern entwarf eigene Wappen mit religiösen Inhalten.
Dabei ändern sich die Bedeutungen und eröffnen tiefere Einblicke in ihre Denkweise.
Den Ursprung des Löwen- und Adlerwappens findet man beim Propheten Hesekiel, der den Inhalt einer Feuerwolke beschrieb:
"Und darin war es gestaltet wie vier Tiere, ... Ihre Angesichter waren vorn gleich einem Menschen, ...und zur rechten Seite gleich einem Löwen ..., und zur linken Seite gleich einem Ochsen ... und hinten gleich einem Adler ..." 26)
Diese Gestalten benutzte der Kirchenvater Hieronymus als Symbole für die Evangelisten:
"Die erste Gestalt, die eines Menschen, deutet hin auf Matthäus, der wie über einen Menschen zu schreiben beginnt: "Buch der Abstammung Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams", die zweite (Gestalt deutet hin auf) Markus, bei dem die Stimme eines brüllenden Löwen in der Wüste hörbar wird: "Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg, macht eben seine Pfade"; die dritte (Gestalt) eines Kalbs (deutet hin auf jene), die der Evangelist Lukas vom Priester Zacharias zu Beginn verwenden lässt; die vierte (Gestalt deutet hin auf) den Evangelisten Johannes, der, weil er Schwingen eines Adlers erhält und so zu Höherem eilen kann, das Wort Gottes erörtert". 27)
Elisabeth Behling verglich sich also mit einem Löwen, der dazu aufrief, dem Herrn den Weg zu bereiten, was sie mit dem Bau einer Kirche selbst verwirklichte.
In ihrem 1667 erstellten Epitaph sieht man sie als kniend-betende Frau im Helmzier über einem neuen Wappen mit Kirche im Schild.
Diese Allegorie wird noch durch ein weiteres Element ergänzt:
Der Rendsburger Altar wird nicht von Gott Vater, Sohn, Heiligen Geist oder Maria gekrönt, sondern vom Apostel Petrus.
Dies ist sehr ungewöhnlich, steht er dort hoch über dem auferstandenen Jesus.
Frau Behling wollte wohl damit auf einen Satz Christi hinweisen:
"Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde (Kirche)." 28)
Mit dem Felsen meinte Frau Behling vermutlich sich selbst.

Abb. 9 Petrus oben auf dem Altar der Rendsburger Marienkirche

Religiöse Interpretation des Adlerwappens mit Stern in der Helmzier
Das Adlersymbol im Wappenschild soll den Betrachter wohl darauf stoßen, dass es hier um einen Johannes geht.
Was den Stern anbelangt, so gibt es auch eine passende Assoziation.
In der Bibel werden neben sieben, elf und vielen Sternen nur zwei einzelne Sterne erwähnt, nämlich der "Stern von Bethlehem" bei Matthäus 2,2 und der "Stern Wermut" in der Offenbarung des Johannes:
"Und der dritte Engel posaunte: und es fiel ein großer Stern vom Himmel, der brannte wie eine Fackel und fiel auf den dritten Teil der Wasserströme und über die Wasserbrunnen.
Und der Name des Sterns heißt Wermut.
Und der dritte Teil der Wasser ward Wermut; und viele Menschen starben von den Wassern." 30)
Der Prophet Amos schrieb über den Wermut: "die ihr das Recht in Wermut verkehrt und damit die Gerechtigkeit zu Boden stoßt." 31)
Mit dem Adlersymbol und dem Unheils-Stern setzte Frau Behling ihrem Bruder Johannes Soliman ein Denkmal, denn mit dem Vorwurf des Verbrechens hatte man ihm Unrecht getan.
Er hatte seine Pfarrstelle in Hütten verloren und erhielt sie auch nicht wieder, als er zwei Jahre später rehabilitiert wurde.

Apfel oder Geldsack?
Es gab bisher zwei Theorien, was Frau Behling in ihrem Epitaph auf dem Buch präsentiert: Apfel 32) oder Geldsack? 33)
Der Apfel kommt nicht in Frage, weil er zu Assoziationen mit Eva im Paradies führt.
Der Geldsack könnte zwar die finanzielle Gabe von Frau Behling symbolisieren, aber in der Bibel steht er für eheliche Untreue 34) und Verrat. 35)
Der Verfasser fand noch drei weitere Möglichkeiten:
Eine Keramikhandgranate mit brennender Lunte, die im 17. Jahrhundert durchaus üblich war, ist hier wohl auszuschließen.
Eine kleine Vase mit Blumen ist möglich, aber diese Deutung zu begründen, fällt schwer.
Elisabeth als "kluge Jungfrau" mit brennender Öllampe ist per se auszuschließen.
Frau Silke Lohmeyer fand im Band II der "Gedächtnisorte der Reformation" von Johann Anselm Steiger die Auflösung: ein "brennendes Herz". 36)
Das Buch (eine Bibel?) könnte einen "geistlichen Dankaltar" darstellen, auf dem Frau Behling ihr eigenes Herz als Brandopfer präsentiert. 37)
Auf Abb. 10 und 11 sind zwei Beispiele von brennenden Herzen zu sehen, wie man sie in vielen Kirchen finden kann.

Abb.10: Kirche in Sandvik, Schweden

Abb. 11 Kirche in Greifswald

Erster Behling- Altar von 1647
1647 stiftete Elisabeth Behling in Rendsburg einen Altar, der 1651 in ihre Friedrichsberger Kirche gelangte. 38)
1718 wurde er gegen den heutigen Altar ausgetauscht.
Seine Spur verlor sich in ihrem Haus, das als Frauenstift diente.
Vermutlich hatte ein Holzwurmbefall sein Schicksal besiegelt.
Es gibt zwar kein Bild davon, aber eine Beschreibung von Ulrich Petersen (S. 955) und zwei Altäre, die diesem als Vorbild gedient haben könnten:
der Marienaltar (1517) in Hütten (heute im Flensburger Stadtmuseum) und der Altar in Medelby (15. Jh.). 39)
Beide enthalten 12 Apostelfiguren und waren Wirkungsstätten ihres Bruders Johannes Soliman.
U. Petersen:
"mit zierlichen, von Holz geschnitzten Figuren der 12 Apostel ... Dieser erste Altar hatte zuoberst das Belingsche Wapen und an dem Gesims diese Auffschriftt: Daß Kirch-gebäw, altar und silbern Kann dabey. / Den Predigstuhl, wie auch umbs Chor die Meßings Gallerey, / dem höchsten Gott zu Ehre und ihrem Sohn daneben Zum Denckmal auffgericht. / OSWALD BELING. His pro muneribus sacris honoranda Belinga. Reddat Jova tibi munera cuncta Poli" 40)

Abb. 12 Marienaltar aus Hütten

Abb. 13 Altar in Medelby

Die finanziellen Verhältnisse von Elisabeth Behling
Elisabeth Behling, der ein großes Vermögen zugefallen war, entschied sich, dieses Kapital für Stiftungen und Legate zugunsten der Kirche und bedürftiger Menschen einzusetzen.
Auf sie zurück ging nicht nur der Bau der Kirche im Friedrichsberg und des Frauenstifts (später Armenhaus), das sie zugleich als Wohnhaus nutzte.
Sie finanzierte auch das Armenhaus in Satrup und besaß darüber hinaus eine wüste Hufe in Hollingstedt (ca. 0,5ha) und eine Hufe in Dorpstette (Dörpstedt), wo sie und Anna Stammer zeitweilig wohnte.
Um ihr Vermögen quantitativ einzuschätzen, bedarf es eines Vergleiches mit anderen Zeitgenossen.
Frau Behling bezahlte z. B. für die Friedrichsberger Kirche 4.000 Rtlr. und für das Armenhaus in Satrup 2.100 Rtlr.
Herzog Friedrich III. musste im Jahre 1650 wegen seiner hohen Ausgaben Kredite bei 55 Gläubigern aufnehmen.
Die Summe belief sich auf 455.484 Rtlr. bei 6 % Zinsen.
Somit betrug der Kredit pro Person durchschnittlich 8.281 Rtlr., wobei Frau Behling ihm 4.000 Rtlr. lieh, was heute ca. 1.332.000 Euro wären.
1661 geriet sie in eine finanzielle Notlage, weil sie für eine Einlage von 7.000 Rtlr. schon zwei Jahre lang keine Zinsen erhalten hatte.
Sie lag mit ihrem Vermögen also im Mittelfeld der Reichen im Herzogtum Schleswig.
Da sie selbst kein Geschäft ausübte, muss sie das Geld geerbt haben, wobei ihr Mann, ihr Sohn und ihre Eltern als Erblasser in Frage kommen.

Abb.13a: heutiger Frauenstift in Satrup. Es ist das zweite Nachfolger-Gebäude.

Der Sargschild der Elisabeth Behling
Der Sargschild ist leider verloren gegangen.
Es existiert aber noch ein Foto davon. Die Inschrift lautet:
"Hierin ruhet die weil. edle grosehr und tugendtreiche Fraw Elisabeth Behlings, Stifterin der Kirchen in Fridrigsberg, welche gebohren anno 1595 d. 7. January, gestorben 1679 d. 24. Novembr: Ihrs Alters 85 Jahr weiniger 43 Tage. Der grose Gott, der ihr das Leben so lange gegönnet hat und so viel Gutes stiften lassen, verleie dem abgelebten Cörper eine unverworffene Ruhe."

Abb.14: Sargschild

Résumé des Verfassers
Hat der Verfasser hiermit die Gedanken von Elisabeth Behling folgerichtig wiedergegeben?
Sie hatte ein Gebäude aus religiösen Assoziationen entwickelt.
Dies setzte sie in Materie um wie Kirche, Armenhäuser, Altäre und Wappen.
Sie widmete ihre Stiftungen dem Andenken ihres Sohnes.
Dafür könnte es drei Deutungen geben: Sie wollte
- Gedächtnisorte für ihren Sohn schaffen,
- Gott daran erinnern, nicht nur ihr, sondern auch ihrem Sohn gnädig zu sein und ihn in den Himmel aufzunehmen,
- den Vorwurf parieren, es ginge ihr nur darum, sich selbst aus Eitelkeit Denkmäler zu schaffen.
Der Verfasser meint mit dieser Arbeit die widerspruchsärmste Erklärung für ihr Weltbild gefunden zu haben.

Abbildungsverzeichnis
Abb. 1 Archiv der Friedrichsberger Kirche
Abb. 2, 12, 10, 12, 13, 13a Falk Ritter
Abb. 3, 6, 7, 8, 9, 11 Silke Lohmeyer, Rendsburg
Abb. 4 Hirtengespräche von Adam Olearius
Abb. 5 Eva Nagel, Schleswig
Abb. 14 Schleswig-Holsteinisches Landesamt für Denkmalspflege

Anmerkungen:
1) Williy Philipsen, Meinen und Wissen um Elisabeth Behling, die Wohltäterin Satrups und Friedrichbergs. Jahrbuch des Heimatvereins der Landschaft Angelns 1974, S. 104; Fritz Thomsen, Familiäre Beziehungen zwischen Pastoren und Küstern in Satrup und Havetoft. Jahrbuch des Heimatvereins der Landschaft Angelns 1969, S. 150-164; Die Kunstdenkmäler der Stadt Schleswig. Dritter Band. Kirchen, Klöster und Hospitäler. Von Deert Lafrenz, Veronika Darius, Dietrich Ellger und Christian Radtke. Deutscher Kunstverlag. München, Berlin 1985; Marion Bejschowetz- Iserhoht, "... in der Vorstadt Cratzenberg *) ein Gotteshaus an zu richten und zu verfertigen" - Die Dreifaltigkeitskirche in Schleswig-Friedrichsberg. Beiträge zur Schleswiger Stadtgeschichte 2001, Bd.46, S. 29-29; darüber Hinaus sei verwiesen auf den Artikel von Bernd Philipsen, Eine großherzige Wohltäterin, in Schleswiger Nachrichten (SN), 18. 9. 2012.
2) Frau Behling unterschrieb immer mit "h", in anderen Schreiber erschien ihr Name oft ohne "h". Auf den Altarleuchtern in der Rendsburger Marienkirche steht sogar "Böhling".
3) Johannes von Schröder: Geschichte und Beschreibung der Stadt Schleswig, Schleswig 1827, S. 169.
4) Leichenpredigt für Johannes Wildenheim, ehemaliger Pastor im Friedrichsberg, ausgestellt von Caspar Hermann Sandhagen am 24.6.1696, gedruckt von Lorenz Eckstorff in Schleswig.
5) Landesarchiv Schleswig-Holstein (LASH), Abt. 7, Nr. 5906; Für die Anregung zu diesem Thema vor 10 Jahren danke ich Pastor em. der Friedrichsberger Kirche Norbert Wilckens und für die Hilfe bei der Transkription schwieriger Texte Herrn Dr. Gerhard Drebes in Schleswig.
6) Der Name Soliman ist türkischer Herkunft. Siehe http://de.namespedia.com/details/Soliman vom 9.9.2019.
7) Weder das Stadtarchiv Güstrow noch das Landesarchiv in Wismar konnte Informationen dazu beisteuern. Dies war wohl den Verwüstungen des 30jährigen Kriegs geschuldet.
8) WIKIPEDIA https://de.wikipedia.org/wiki/Wedel_(Adelsgeschlecht) vom 5.1.2019.
9) Im Matrikel der Familie "von Wedel" konnte diese (!) Anna von Wedel nicht gefunden werden, vermutlich weil sie einen Bürgerlichen geheiratet hatte. Freundliche Auskunft von Herrn Leberecht von Wedel am 20.9.2018.
10) Dieter Lohmeier: Oswald Beling, in: Schleswig-Holsteinisches Biographisches Lexikon. Band 5, Neumünster 1979, S. 42-43 sowie: https://de.wikipedia.org/wiki/Oswald_Beling.
11) Oben sieht man auch das Behlingsche Wappen, siehe weiter unten im Text.
12) Johann Eike Benesch MA, mündliche Mitteilung.
13) Eine Standeserhebung hat wohl nicht stattgefunden. Quelle: Standeserhebungen und Gnadenakte für das Deutsche Reich und die Österreichischen Erblande bis 1806, sowie kaiserlich österreichische bis 1823 : mit einigen Nachträgen zum "Alt-Österreichischen Adels-Lexikon" 1823 - 1918 / von Karl Friedrich von Frank, Schloss Senftenegg, Selbstverlag 1974, Band 1.
14) Welches Schiff er kommandierte, konnte nicht ermittelt werden, da in der folgenden Quelle zwar alle in Frage kommenden Kriegsschiffe aufgezählt werden, aber nicht ihre Kapitäne. Niels M. Probst: Christian 4.s flåde. Den danske flådes historie : 1588-1660 ; Marinehistoriske skrifter : nr. 26, 1996.
15) Vielleicht es doch nicht so erstaunlich, wenn man bedenkt, dass im 2. Weltkrieg der Oberleutnant zur See Karl Eckart Augustin mit 20 Jahren der jüngste deutsche U-Boot-Kommandant war. Quelle: http://www.ubootarchiv.de/ubootwiki/index.php/Hans-Eckart_Augustin.
16) Pastor Hans Erichsen: Kirchenchronik von Hütten, Pastoratsarchiv.
17) Auch heute können Kirchengemeinden amtliche Beglaubigungen ausstellen.
18) LASH Abt. 7 Nr. 4170.
19) Die Mecklenburg-Schwerinschen Pfarren seit dem dreißigjährigen Kriege : mit Anmerkungen über die früheren Pastoren seit der Reformation / von Gustav Willgeroth, Selbstverlag 1924-1937. Dort wird er Solmann bzw. Schliemann genannt. Dank an Herrn Jens Nielsen von der Agentour Zeitensprung in Kiel für den Hinweis auf diese Quelle.
20) Aus Platzgründen wurden sie vom Verfasser nicht in dem o. a. Stammbaum aufgenommen. Auch verzichtete der Verfasser auf die Darstellung der Nachkommen von Albinus und Schnittker.
21) Die Suche nach Anna Stammers Eltern verlief im Sande. Von 1558 bis 1595 ordinierten zwei Pastoren in Treia, wohl Vater und Sohn, die beide Johannes Stamerus hießen. Quelle: Matr. d. Schlesw. Stud. 1517-1864, v. Th. O. Achelis. Der Kaufmann Hans Stammer in Flensburg 1603 stammte auch aus Treia. Quelle: Flensburger Bürgerbuch 1602/03 - 1604 St.Marien, Band 1 Seite 1558 -1786, S.145. Der Verfasser glaubt hier an eine verwandtschaftliche Beziehung, kann dies aber wegen fehlender Kirchenbücher weder beweisen noch verneinen. Aus dem Anhaltischen stammt die uradelige Familie "von Stammer", zu der auch keine Verbindung hergestellt werden konnte. LAS Abt. 7 Nr. 5906. Siehe auch Philipsen a. a. O.
22) Leichenpredigt Wildenheim.
23) Der Altar der St. Marienkirche in Rendsburg von 1649. Schriftliche Hausarbeit zur Erlangung des Grades eines Magister Artium (M.A.) der Philosophischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel vorgelegt von Ingrid Hansen, Kiel 1971.
24) Vermutlich wusste Frau Behling, dass die Familie Frechter ausgestorben war und das Wappen für sie somit frei war. Der Verfasser erwog auch die Möglichkeit, dass im Helmzier statt eines "Wilden Mannes" "Johannes der Täufer" stehen könnte. Aber Johannes trug laut Bibel keine Kopfbedeckung.
25) Eichbrodt, Dorothea: Patrizier, Bürger, Einwohner der Freien und Hansestadt Danzig. Klausdorf 1986-1988, S.180.
26) Hesekiel 1, 5 und 10; Erich von Dänicken (Erinnerungen an die Zukunft) sah darin eine Erscheinung von Außerirdischen
27) https://de.wikipedia.org/wiki/Evangelistensymbole#cite_note-9 vom 8.9.2019 19.23 Uhr.
28) Die beiden anderen Wappen im Epitaph geben ihren Mann und Sohn als Miniaturen im Helmzier wieder, im Schild jeweils ein Löwe. Die eine Miniatur trägt eine Allonge-Perücke, die andere wurde im Kopfbereich nur unvollständig geschnitzt.
29) Matth. 16,18.
30) Offenb. 8, 10 und 11.
31) Amos 5, 7.
32) Lafrenz S. 46.
33) Norbert Wilckens: "Sieg über Tod und Teufel" Theologische Programme der Originalausstattung der Friedrichsberger Dreifaltigkeitskirche, S. 104-105. In: Kirchliches Leben in Schleswig-Holstein im 17. Jahrhundert. Vorträge zu einer Ausstellung im Landesarchiv Schleswig-Holstein. Hrsg. von Marion Bejschowitz-Iserhoht / Reimer Witt. Schleswig 2003 (= Veröffentlichungen des Schleswig-Holsteinischen Landesarchivs 78).
34) Sprüche Salomons 7,20.
35) Matth. 26, 15.
36) Johann Anselm Steiger: Gedächtnisorte der Reformation, Schnell + Steiner 2016 S. 730 - 733.
37) Heinrich Müller: Geistlicher Danck-Altar / Zum täglichen Lob-Opfer der Christen / mit vielen Kupfern gezieret. I ... I Frankfurt a. M. 1670. https://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/68186/8/0/.
38) 1649 erhielten die Rendsburger dafür von Frau Behling ihren noch heute dort stehenden Altar.
39) Hier sind die 12 Apostel wie eine Kette um Maria gelegt. Der Verfasser glaubt, dass der Medelbyer Altar als Vorbild diente, weil dieser Typ in vielen Kirchen zu finden ist.
40) Übersetzung: "Ehre gebührt Beling für diese ehrwürdigen Verdienste. Möge Gott dir für alle Verdienste den Himmel schenken"".
41) LASH Abt. 7 Nr.5906.
42) Die Kunstdenkmäler ... a.a.O. S. 30.
43) Philipsen, Willy a.a.O. S. 104.
44) Andresen, Ludwig: Studien und Quelle zur Geschichte der Verwaltung und Wirtschaft in Gottorf von 1544 -1659. Erster Teil: Studien. Kiel, Gesellschaft für Schleswig=Holsteinische Geschichte 1928, Seite 427, 428.
45) Als Umrechnungsfaktor wird der Preis ein Pferdes herangezogen. 1650 kostete ein Pferd 15 Rtlr, heute 5.000 Euro. Somit kommen 333 Euro auf einen Reichstaler. Quelle: Voigtländer, Heinz: Löhne und Preise in vier Jahrtausenden. Numismatische Gesellschaft Speyer, 1994, Seite 75.
46) LASH, Abt. 7, Nr. 2125.
47) Ebd.: "Nachdehm Elisabeth Behlings, auß Freyen willen undt guter Bedacht Zur Ehre Gottes und gedechtnuß Ihres Vorstorbenen Sohnes, weiland Oßwaldt Belings, alhier in Kratzen Berghk Vor unsere Fürstl. Residentz Gottorff eine Kirche und eine Armenhauß Bauen Zulaßen Undt Zu Stifften entschloßen , ... " Kerzenleuchter auf dem Altar der Marienkirche in Rendsburg: "Seligen Oswald Böhling diese Leuchter zur Gedechtnus geben, Anno 1648". Epitaph in Friedrichsberger Kirche: "Dies Epitaph hat ... Elisabeth Belings ... ihrem sehl. Ehhrn Bonifacio Belingen ... und ihrem einigen Sohn sehl : Oswald Belingen ... zu Gedachtnis und besonders Gott zu Ehren ... aufrichten lassen." Von der Satruper Armenhaus-Stiftung ist keine Widmung überliefert.